Allgemeines

Für die Plenarveranstaltungen ist keine gesonderte Anmeldung erforderlich.

Die Teilnahme steht allen Kongressteilnehmern offen und ist durch die Grundgebühr abgedeckt.

Die Plenarvorträge werden, wie auch der Abendvortrag und die durchlaufenden Vorlesungen, im Hybridmodus angeboten.

Prof. Dr. Eva Walther

Psychologische Erklärungen für die Anziehungskraft rechter Bewegungen und Parteien am Beispiel der AfD

Datum: Samstag, 10. September, 08.30 Uhr
Teilnahmemöglichkeiten: Präsenz oder online

Ziel des Vortrages ist es, psychologische Erklärungsansätze anzubieten, die verstehen helfen, warum die AfD so erfolgreich ist und wie sie es (noch immer) schafft, Wähler*innen zu gewinnen. Um die psychologische Wirkungsweise der AfD zu verstehen, wird untersucht,
welche menschlichen Bedürfnisse die AfD anspricht. Gleichzeitig wird der gesellschaftliche Kontext analysiert, in dem die AfD agiert, und die Veränderung der politischen Landschaft, die die AfD bewirkt (hat). Die Kernhypothese unseres Erklärungsansatzes lautet, dass sich der Erfolg der AfD, wie auch der anderer rechter Gruppierungen, anhand dreier psychologischer Konfliktlinien oder Problemkontexte (Existenz, Selbstwert, Kontrolle) einordnen lässt. Diese Konfliktlinien beziehen sich auf grundlegende menschliche Bedürfnisse, die durch die aktuelle gesellschaftliche Situation nicht oder nicht mehr befriedigt werden, und auf welche die AfD – wie keine andere Partei – eine scheinbare Antwort oder
Lösung liefert.


Prof. Dr. Eva Walther studierte bis 1994 Psychologie an der Universität Gießen und wurde 1997 an der Universität Heidelberg mit Auszeichnung promoviert. An der Universität Heidelberg wurde sie 2002 auch habilitiert. 2005 erhielt sie den
Ruf der Universität Trier auf den Lehrstuhl Sozialpsychologie. Sie ist seitdem Leiterin der Abteilung Sozialpsychologie der Universität Trier am Fachbereich Psychologie. Neben dem Thema Extremismus und Radikalisierung beschäftigt sich ihre Forschung – unter anderem – mit der Entstehung und Änderung von Einstellungen und der Frage des guten Lebens.

Themenbezogene Auswahl an Publikationen:
Walther, E., & Isemann, S. D., (2019). Einführung: Psychologische Erklärungen für den Erfolg der AfD. (introduction: Why is the AfD successful?) In E. Walther & S. D. Isemann (Eds.), Die AfD – psychologisch betrachtet (pp.2-26). (The psychology of the AfD) Wiesbaden: Springer.
Walther, E., & Isemann, S. D. (in press). Sozialisierungsprozesse der Radikalisierung im Internet. In Joachim Krause, Liane Rothenberger, Jannis Jost, & Kira
Frankenthal (Eds). Terrorismusforschung – Interdisziplinäres Handbuch für Wissenschaft und Praxis. Baden-Baden: Nomos.
Isemann, S. D., Walther, E., Solfrank, S., & Wilbertz, F. (2019). Peacefully changing the world: Political system support facilitates peaceful, but prevents violent protest orientation among school students. Peace and Conflict: Journal of Peace Psychology. Advance online publication. dx.doi.org/10.1037/pac0000388

Referentin

Leiterin der Abteilung Sozialpsychologie im Fachbereich, I – Psychologie
Universität Trier, E-Mail: walther@uni-trier.de

Empörungspolitik – Wie ständige Aufregung die Demokratie gefährdet

Datum: Sonntag, 11. September, 08.30 Uhr
Teilnahmemöglichkeiten: Präsenz oder online

Innerhalb der westlichen Demokratien findet eine Polarisierung und Radikalisierung statt, die noch vor wenigen Jahren undenkbar erschien.
Der Zerfall der Öffentlichkeit stellt freiheitliche Gesellschaften vor Herausforderungen. Sie müssen in der Lage sein, sich in öffentlicher Auseinandersetzung zu einigen. Die Strukturrevolution der Medien erschwert jedoch die Funktionsfähigkeit der Demokratie: Hochgradige Emotionalisierung steht vernünftigen Lösungen im Wege. Allerdings können wir den Zerfallsprozessen etwas entgegensetzen – wenn wir ihre innere Dynamik verstehen.


Prof. Dr. Henrik Müller studierte Volkswirtschaft in Kiel, absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München und promovierte in Hamburg. Nach einer Karriere im Journalismus, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift manager magazin, ist er heute Professor für Wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund. Seine wöchentliche Spiegel-Online-Kolumne „Müllers Memo“ erreicht eine große Leserschaft. Für seine journalistische Arbeit erhielt Henrik Müller mehrere Preise und Auszeichnungen: Georg-vonHoltzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik (2002), Medienpreis „Im Zentrum der Mensch“ (2004), Zukunftspreis des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (2005),
Friedrich-Vogel-Preis für Wirtschaftsjournalismus (2006), Helmut-Schmidt-Journalistenpreis (2008)

 

Einige Publikationen der letzten Jahre:
Kurzschlusspolitik: Wie permanente Empörung unsere Demokratie zerstört. Piper 2019
Journalisten als Scouts in unübersichtlichen öffentlichen Räumen. Ein Zwischenruf zur journalistischen Bildung. In Astrid Blome, Tobias Eberwein und Stefanie Averbeck-Lietz (Hrg.), Medienvertrauen. Historische und aktuelle Perspektiven, Reihe: Dortmunder Beiträge zur Zeitungsforschung, Band 69, de Gruyter, ISBN: 978-3-11-058740-1.
Nationaltheater – Wie falsche Patrioten unseren Wohlstand bedrohen. Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2017.
Wirtschaftsirrtümer – 50 Denkfehler, die uns Kopf und Kragen kosten. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2014
Euro-Vision – Warum ein Scheitern unserer Währung eine Katastrophe wäre. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2012

 

 

Prof. Dr. Nicole Krämer

Schöne neue Welt? Interaktionen mit Robotern, Sprachassistenten und Algorithmen im Internet aus sozialpsychologischer Sicht

Datum: Montag, 12. September, 08.30 Uhr
Teilnahmemöglichkeiten: Präsenz oder online

Wir sind in unserem Alltag zunehmend von Technologien wie intelligenten Maschinen, Robotern oder Algorithmen umgeben, die nicht mehr bloß als Werkzeug zur Erledigung von Aufgaben fungieren, sondern menschenähnliche Dialoge ermöglichen, Entscheidungen vorschlagen oder die Meinungsbildung beeinflussen. Aus psychologischer Sicht stellen sich dabei vielfältige Fragen, die vor allem die Auswirkungen der Interaktion mit Technologie betreffen. Bezüglich der Kommunikation mit Robotern und Sprachassistenten ist dabei von Interesse, inwieweit die Interaktion der mit anderen Menschen ähnlich ist und inwieweit diese als „sozial“ empfunden wird. Neben der Interaktion mit künstlichen Entitäten stellen intelligente Algorithmen im Internet eine neue Herausforderung dar, deren Auswirkungen auf Nutzende betrachtet werden müssen. In diesemZusammenhang ist zentral, inwieweit Menschen die oft über Machine Learning entstandenen Algorithmen verstehen können und inwieweit sie ihnen vertrauen,
etwa wenn diese Entscheidungen vorschlagen. Der Vortrag stellt erste Ergebnisse der Forschung zum Umgang von Menschen mit unterschiedlichen Technologien der künstlichen Intelligenz dar und diskutiert auf dieser Grundlage mögliche zukünftige Szenarien.

Nicole Krämer ist Professorin für Sozialpsychologie, Medien und Kommunikation an der Universität Duisburg-Essen. Sie schloss 2001 ihre Dissertation an der Universität zu Köln ab und habilitierte 2006 an der Universität zu Köln zur sozialen Wirkung virtueller Assistenten. Sie absolvierte längere Forschungsaufenthalte an der Cambridge University (2003) und verschiedenen US-Universitäten (2015). In ihrer Forschung fokussiert sie sowohl sozial- und medienpsychologische Aspekte der Mensch-Technik-Interaktion als auch der computervermittelten Interaktion. Sie leitet mehrere Forschungsprojekte zur Meinungsbildung in sozialen Medien, den gesellschaftlichen Auswirkungen Künstlicher Intelligenz sowie zu psychologischen Aspekten von Privatheit.

 

Ausgewählte Publikationen zum Thema:
Horstmann, A., Bock, N., Linhuber, E., Szczuka, J., Straßmann, C. & Krämer, N. C. (2018). Do a robot’s social skills and its objection discourage interactants from switching the robot off? PlosOne, 13 (7), e0201581
Krämer, N.C., Lucas, G., Schmitt, L. & Gratch, J. (2018). Social snacking with a virtual agent – On the interrelation of need to belong and effects of social responsiveness when interacting with artificial entities. International Journal of HumanComputer Studies, 109, 112-121.
Krämer, N. C., & Schäwel, J. (2020). Mastering the challenge of balancing selfdisclosure and privacy in social media. Current Opinion in Psychology, 31, 67–71. https://doi.org/https://doi.org/10.1016/j.copsyc.2019.08.003 [IF=3.42]
Krämer, N. C., Sobieraj, S., Feng, D., Trubina, E. & Marsella, S. (2018). Being bullied in virtual environments: experiences and reactions of male and female students to a male or female oppressor. Frontiers in Psychology, 9, https://doi.org/10.3389/fpsyg.2018.00253
Rosenthal-von der Pütten, A. M., Krämer, N. C., Maderwald, S., Brand, M., & Grabenhorst, F. (2019). Neural Mechanisms for Accepting and Rejecting Artificial Social Partners in the Uncanny Valley. The Journal of Neuroscience, 39(33), 6555–6570. https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.2956-18.2019

Referentin

Leiterin des Fachgebiets Sozialpsychologie: Medien und Kommunikation
Fachgebiet Sozialpsychologie: Medien und Kommunikation,
Abteilung für Informatik und Angewandte Kognitionswissenschaft der
Fakultät für Ingenieurwissenschaften Universität Duisburg-Essen
E-Mail: nicole.kraemer@uni-due.de

Prof. Dr. Dipl.-Psych. Bernhard Strauß, Jena

Psychologische Hintergründe einer Fragmentierung von Gesellschaft und Psychotherapie

Datum: Dienstag, 13. September, 08.30 Uhr
Teilnahmemöglichkeiten: Präsenz oder online

Die COVID-19 Pandemie hat einen Prozess der gesellschaftlichen Fragmentierung noch einmal deutlich dadurch verstärkt, dass sich gegenüber der Einschätzung des Phänomens und der Gegenmittel extreme Positionen bilden konnten, die medial u.a. durch zahlreiche Verschwörungserzählungen befördert wurden. In dem Vortrag sollen einige (sozial-) psychologische und tiefenpsychologische Hintergründe der Phänomene beschrieben werden, die für die Fragmentierung verantwortlich sind. Cancel Culture, Identitätspolitik und übertriebene politische Korrektheit gehören ebenso dazu wie Phänomene des Gruppendenkens und Intergruppenkonflikte. In die Psychotherapie wird – sicher auch zurecht – eine gewisse Hoffnung gesetzt, etwas zur „Wiederherstellung der Öffentlichkeit“ zu leisten. Es gibt aber auch innerhalb der Profession und innerhalb psychotherapeutischer Theorien durchaus ideologische und irrationale Haltungen, die es zunächst einmal zu überwinden gilt.


Bernhard Strauß ist Direktor des Instituts für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie am Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er ist Professor für Medizinische Psychologie und Psychotherapie und vertritt in der Lehre die Fächer Medizinische Psychologie, Medizinische Soziologie sowie Psychotherapie.
Prof. Strauß ist Autor, Herausgeber und Schriftleiter zahlreicher Bücher, Fachzeitschriften (z.B. national der Psychotherapie Psychosomatik Medizinische Psychologie und des Psychotherapeut) und einiger Buchreihen. Er war Vorsitzender
des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM), der der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP) und war 2008/2009 Präsident der Society for Psychotherapy Research (SPR). 2011–2020 war er als Kollegiat der DFG für das Fachgebiet Klinische, Differentielle und Diagnostische Psychologie, Medizinische Psychologie gewählt.

 

Ausgewählte aktuelle Buchveröffentlichungen:
Deffner, Th., Jansen, U. Strauß, B. (Hg.) Praxisbuch Psychologie in der Intensivund Notfallmedizin. Berlin, WMV, 2022
Strauß, B., Galliker, M., Linden, M., Schweitzer, J. (2021). Ideengeschichte der Psychotherapieverfahren. Stuttgart: Kohlhammer.
Egle, U. T., Heim, Ch., Strauß, B., von Känel, R. (2020). Psychosomatik – Neurobiologisch fundiert und evidenzbasiert. Stuttgart: Kohlhammer.

Referent

Psychologischer Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Universitätsklinikum
Jena, Direktor des Instituts für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie
und Psychoonkologie, Stoystr. 3, 07740 Jena
E-Mail: bernhard.strauss@med.uni-jena.de
www.mpsy.uniklinikum-jena.de/Institut.html

Prof. Dr. Maria-Sibylla Lotter

Was bedroht die Meinungsfreiheit? – Gegenwärtige Probleme der Streitkultur

Datum: Mittwoch, 14. September, 08.30 Uhr
Teilnahmemöglichkeiten: Präsenz oder online

Warum fühlen sich derzeit viele Bürger nicht mehr frei, ihre politische Meinung zu äußern? Was hindert sie daran? Und welche Probleme könnten sich daraus für die Demokratie ergeben? Maria-Sibylla Lotter erörtert am Vergleich zur antiken attischen Demokratie, dass Meinungsfreiheit sowohl Voraussetzung für echte politische Partizipation als auch Nährboden für die Herausbildung einer kollektiven Intelligenz ist, der sachgemäße politische Entscheidungen entspringen können. Meinungsfreiheit kann jedoch nicht durch das Recht allein garantiert werden. Sie
ist auf eine lebendige Debattenkultur unter Menschen mit verschiedenen Erfahrungen und Interessen angewiesen, die sich als Andersdenkende respektieren. Diese Debattenkultur ist heute durch Polarisierungen zwischen Gruppen gefährdet, die Moralisierung als Waffe im Kampf um Meinungshoheit einsetzen. Sie wird sowohl durch „zuwenig“ als auch durch „zuviel“ an spontaner Freimütigkeit bedroht: durch Sprechtabus, „safe spaces“ und einen verängstigten Konformismus, aber auch durch Verleumdungskampagnen und ungezügelte Aggressivität in den sozialen Medien.

 

Maria-Sibylla Lotter studierte Philosophie, Religionswissenschaft und Ethnologie in Freiburg, Berlin und St. Louis/USA und war anschließend an verschiedenen Universitäten in Deutschland und der Schweiz in der philosophischen Forschung und Lehre tätig. Seit 2014 lehrt sie als ordentliche Professorin für Philosophie der Neuzeit, Ethik und Ästhetik am Institut für Philosophie I der Universität Bochum und schreibt gelegentlich auch Kolumnen in Tages- und Wochenzeitungen wie der NZZ, der ZEIT und der rheinischen Post. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Fragen der Schuld und Verantwortung, Lüge und Täuschung sowie das Verhältnis von Kunst und Moral.
Zu ihren Veröffentlichungen zählen Schuld, Scham und Verantwortung (Suhrkamp, 4. Aufl. 2021), ein Band mit klassischen Texten zur Lüge (Reclam) und eine Reihe von Aufsätzen, Übersetzungen und Sammelbänden zur Geschichte
der Philosophie, zur praktischen Philosophie und zur Ästhetik. Demnächst erscheint ihre gemeinsam mit Sasa Vojin Vucadinovic verfasste Studie zum Thema Meinungsfreiheit und Streitkultur.

 

Ausgewählte Publikationen:
Maria-Sibylla Lotter, Saskia Fischer (Hg.) (2022). Guilt, Forgiveness, and Moral Repair. A Cross-Cultural Comparison, Basel:Springer
Maria-Sibylla Lotter (2019). Scham, Schuld, Verantwortung. Über die kulturellen Grundlagen der Moral. Berlin: Suhrkamp 3. Aufl.
Maria-Sibylla Lotter (2017). Die Lüge. Texte von der Antike bis zur Gegenwart. Stuttgart: Reclam
Gemeinsam mit Eike Brock (2010): Besser geht’s nur in der Komödie. Cavell über die moralischen Register von Literatur und Film. Freiburg: Verlag Karl Alber

Referentin

Professorin für Philosophie der Neuzeit, Ethik und Ästhetik am Institut
für Philosophie I der Universität Bochum
E-Mail: mariasibylla.lotter@ruhr-uni-bochum.de