Vorlesungen
„… Wer bin ich eigentlich?
Aus meinem Leben wächst langsam der Tod Ich teile mit ihm Wein und Brot
Wach hat die Schlaflosigkeit mich gemacht Oft hab ich zuletzt und als Erster gelacht…“ André Heller, 1973
In unserer alltäglichen psychotherapeutischen Arbeit begleiten wir Menschen über neun Etappen bzw. Umbrüche ihres Lebens und entwickeln uns selbst mit ihnen: – Geburt – Kindheit – Übergang zur Adoleszenz – frühes Erwachsenenalter – Übergang in der Lebensmitte – mittleres Alter – Übergang zum Alter – späte Reife – Tod (Lebenszyklus nach C. G. Jung)
Identität und Veränderung. Abgrenzung und Integration.
Wir wollen diese Lebensphasen und -prozesse füllen mit Erfahrungen aus Therapien mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Paaren, mit den Träumen der jeweiligen Phasen, mit Symbolen, Zeichnungen, biografischen und literarischen Texten, die den ganz eigenen Individuationsprozess aufzeigen. Die Bewältigung von seelischen Reifungsprozessen zur Verwirklichung des Selbst in seiner Ganzheit, was immer wieder Ablösung, auch Lebenswende umschließt, soll vorgestellt werden.
Leben hat seine Zeit.
Den Sinn können wir nur im Auswählen finden, nicht in der Anzahl unserer Jahre.
Frankl, V.: Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn. Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk. München. Pieper, 1979
Jung, C. G.: Über die Entwicklung der Persönlichkeit. Ges. Werke, Band 17, Walter Verlag, Olten, Freiburg, 1982
Kast, V.: Immer wieder mit sich selber eins werden. Identität und Selbstwert entwickeln in einer komplexen Welt. Patmos Verlag Stuttgart, 2023
Längle, A., Bürgi, D.: Wenn das Leben pflügt. Krise und Leid als existentielle Herausforderung. Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttingen, 2016
Yalom. I. D.: Wie man wird, was man ist. Memoiren eines Psychotherapeuten. btb Verlag, München, 2020
Das Worldwide Web, die Social Media Plattformen, Apps als Datenlieferanden und Datensammler, Selbsthilfegruppen und verschiedenste Foren, Companionships, Avatare, stellen uns in Behandlungen vor neue Herausforderungen. Die Risiken von Mobbing im Cyberraum, Diskriminierung und Fortschreibung von Vorurteilen und struktureller Gewalt sind unsichtbare, ängstigende und existentielle Risiken, denen wir uns gegenüberstehen und denen insbesondere psychisch beeinträchtigte Menschen vermehrt ausgesetzt sind. Neben aktuellen Forschungsergebnissen zu diesen Fragen wollen wir uns über diese Entwicklungen auch anhand von eigenen Kasuistiken austauschen und die Entwicklungen gemeinsam reflektieren.
In der Vorlesung werden die „Ich“ und „Selbst“ begriffsgeschichtlich rekonstruiert und auf die zeitgenössische (psychodynamische) Psychotherapie bezogen. Die psychoanalytische Ichpsychologie (Hartmann u.a.) sowie Selbstpsychologie (Kohut u.a.) werden vorgestellt und in ihren Unterschieden erörtert. Auf der Grundlage dessen finden Überlegungen zum „Ich“/“Selbst“ von Therapeut:innen einen Raum, z.B. unter der Fragestellung der Eigenübertragung oder der professionellen Selbstenthüllung im therapeutischen Prozess.
Storck, T. (2021). Ich und Selbst. Stuttgart: Kohlhammer.
In dieser Vorlesung werden zunächst grundlegende Kenntnisse der Mentalisierungstheorie vermittelt. Darauf aufbauend wird diskutiert, welchen Beitrag Mentalisierung zum Verständnis von Störungen aus dem autistischen und autistoiden Spektrum leisten kann. Es geht also nicht darum, eine vollständige Theorie und Praxis der Behandlung von autistischen und autistoiden Störungen zu beschreiben, sondern aufzuzeigen, inwiefern der Fokus Mentalisieren für uns als Therapeuten und für unsere Patienten hilfreich sein kann.
Althoff ML (2025) Das 1x1 des Mentalisierens. Springer Nature, Berlin
Bateman A, Fonagy P (2016) Mentalization-Based Treatment for Personality Disorders. Oxford Press, Oxford
Die Analytische Psychologie verfügt mit ihrem Individuationskonzept über eine kohärente und valide Psychologie der Lebensspanne, die in postmodernen Zeiten vielfältigen Herausforderungen begegnet. Der Vortrag stellt das Konzept als Entwicklungspsychologie und als Behandlungs-Prozesstheorie vor und setzt es in Bezug zu den Themen der Begrenzung und Anpassung. Die Individuationstheorie als Lebensaufgabenmodell und als Theorie der Authentizitätsentwicklung erfährt dadurch in einigen Facetten eine auch klinisch relevante Erweiterung.
Stein, M (2006): The Principle of Individuation. Chiron Publ.
Vogel, R.T. (2017). Individuation und Wandlung. Kohlhammer
Der schottische Psychoanalytiker Ronald Fairbairn erweiterte und reformierte in den 1940er Jahren Freuds Triebtheorie, indem er sagte, dass die Libido nicht nach Befriedigung, sondern nach einem Objekt, also nach einem anderen Menschen sucht. Die zentrale Motivation des Menschen ist danach nicht, Triebimpulse am anderen abzureagieren, sondern ein Gegenüber zu finden, mit dem zusammen sehr unterschiedliche Wünsche erfüllt und Gefühle geteilt werden können. Gemeinsam mit anderen prägte er damit die „Objektbeziehungspsychologie“, die heute die Hauptströmung der Psychoanalyse darstellt. Sie hat die duale Triebtheorie Freuds, in der es nur die Libido und den Todestrieb gab, um eine Fülle zentraler menschlicher Grundbedürfnisse erweitert. Die Konflikte, für die wir alle in unserem Leben kompromisshaft Lösungen finden müssen, sind nun nicht mehr nur Triebkonflikte, sondern Konflikte die mit der Entfaltung oder Versagung von ganz unterschiedlichen Grundbedürfnissen zu tun haben. Erstmals wurden 2023 die wichtigsten Konzepte der Objektbeziehungspsychologie und die Menschen, die sie geschaffen haben, im „Handbuch der Objektbeziehungspsychologie“, zusammenfassend dargestellt. Es enthält das Kondensat dessen, was in 123 Jahren Psychoanalyse entstanden ist. Das Buch ist bereits in zweiter Auflage erschienen und wird 2026 nun auch in englischer Übersetzung bei Springer-Nature veröffentlicht.
Die Vorlesung gibt einen Überblick über die Entstehung dieser Strömung, die kein Ismus wurde, weil es nicht den einen, charismatischen Begründer gab, über ihren aktuellen Stand und über ihren allmählichen Übergang vermutlich in eine intersubjektive Strömung. Beispielhaft werden die Ansätze einzelner Autoren und Konzepte dargestellt. Zwei Vorlesungen werden von Mitautoren des Handbuches übernommen, nämlich von Peter Conzen und Hans-Jürgen Wirth.
Themen an den 5 Tagen:
1. Was ist Objektbeziehungspsychologie? Geschichtliches, Definition, Begriffe und Untergliederungen
2. Melanie Klein: Die depressive Position; Margaret Mahler: Symbiose und Individuation; Clare und Donald Winnicott: Übergangsobjekte; John Bowlby: Bindungstheorie; Heinz Kohut: Narzissmus und Selbstobjekt
3. Erik H. Erikson: Wegbereiter der modernen Identitätspsychologie (Peter Conzen)
4. Zur Aktualität von Horst-Eberhard Richters Theorie familiärer Verstrickungen (Hans-Jürgen Wirth)
5. Neuere Entwicklungen in der Objektbeziehungspsychologie: Joseph Weiss, Christopher Bollas, Jessica Benjamin und Donna Orange
Abel, T. (Hrsg.): „Handbuch der Objektbeziehungspsychologie“, Psychosozial-Verlag 2025
Abel, T. (Editor) „Handbook of Object Relations Psychology“, Springer Nature 2026
In der Vorlesung werden die zeitgenössischen Grundlagen der Konzepte Übertragung und Gegenübertragung erarbeitet. Darauf aufbauend werden Variationen der Arbeit mit Übertragung und Gegenübertragung erörtert (Übertragungsfokussierte Psychotherapie; stationäre Psychotherapie im Team) sowie der Vorschlag eines Drei-Ebenen-Modells klinischer Entscheidungen unter Einbezug von Übertragung und Gegenübertragung gemacht. Anhand eines Fallbeispiels werden die Unterschiede zwischen der analytischen Psychotherapie, der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie und anderen Verfahren/Methoden anschaulich gemacht.
Storck, T. (2025). Übertragung und Gegenübertragung. Ein Leitfaden für die psychotherapeutische Praxis. Göttingen: Hogrefe.
Depressive Störungen im Kindes- und Jugendalter zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und gehen mit erheblichen Beeinträchtigungen in emotionalen, sozialen und schulischen Funktionsbereichen einher. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen aktuelle empirische Befunde zur Ätiologie, Wirksamkeit psychotherapeutischer Behandlungen sowie praxisnahe verhaltenstherapeutische Interventionen. Neben den grundlagenwissenschaftlichen Erkenntnissen werden insbesondere evidenzbasierte Interventionen vorgestellt und in ihrer Anwendung und Wirksamkeit kritisch reflektiert. Ziel ist es, zentrale Modelle und empirisch gestützte Methoden zu vermitteln, die zur Planung und Durchführung psychotherapeutischer Behandlungen genutzt werden können.
Unabhängig von der theoretischen Ausrichtung einer Psychotherapie ist heute davon auszugehen, dass Beziehungserfahrungen maßgeblich zur Entwicklung psychischer Störungen, aber auch zu psychischer Gesundheit beitragen. Beziehungsaspekte sind auch von besonderer Bedeutung für das Ergebnis einer Psychotherapie (auch wenn diese keineswegs die alleinigen Wirkfaktoren sind). In der Vorlesung sollen zunächst Grundlagen für das Verständnis der Entwicklung interpersonaler Merkmale, ausgehend von den Befunden der Bindungstheorie und ihrer vielfältigen aktuellen Erweiterungen, vermittelt werden. Die Bindungsentwicklung kann als wichtige Basis für die interpersonalen Merkmale einer Person (egal ob Patient:in oder Therapeut:in) betrachtet werden. Therapeutische Ansätze, die hierauf fokussieren und Möglichkeiten der Beschreibung (und Diagnostik) interpersonaler Merkmale werden in der Vorlesung ebenso diskutiert wie – auf der Basis neuer Forschungsbefunde – die vielfältigen Aspekte der therapeutischen Beziehung. Schließlich soll geklärt werden, wie psychotherapeutisch Tätige ihre eigenen interpersonalen Kompetenzen erkennen und ggf. verbessern können. In diesem Zusammenhang werden auch die Folgen eingeschränkter interpersonaler Kompetenz besprochen und die Frage, was getan werden kann, wenn diese Kompetenz eingeschränkt ist.
Rief, W., Schramm, E., Strauß, B. (2025). Psychotherapie – Ein kompetenzorientiertes Lehrbuch. München: Elsevier, 2. Auflage
Schleu, A., Stauß, B. (2024) Grenzverletzungen in der Psychotherapie. Gießen, Psycosozial Verlag
Strauß, B. & Schauenburg, H. (Hrsg.). (2017). Bindung in Psychologie und Medizin. Grundlagen, Klinik und Forschung - Ein Handbuch. Stuttgart: Kohlhammer. Strauß, B. (2014) Bindung. Gießen, Psychosozial Verlag
Die Vorlesung wird die Facetten und die Ausprägungsgrade von Störungen im Bereich des Selbstwert-Systems beleuchten und soll dabei helfen, Patientengeschichten unter diesem Blickwinkel besser verstehen und einordnen zu können. Zunächst wird die „normale“ Entwicklung des Selbst und des Selbstwertsystems dargestellt. Neben der (phänomenologischen) Unterscheidung von normalem und pathologischem Narzissmus liegt der zweite Schwerpunkt darauf, den Blick für narzisstische Störungsanteile und deren Regulations- und Kompensationsmechanismen zu schärfen und zu erweitern. Dem Referenten ist hierbei wichtig, dass das gesamte Spektrum narzisstischer Störungsbilder beleuchtet und einfühlbar wird - von der narzisstischen Depression (mit ihrem häufig rigiden, selbstanklagenden, bis zum Masochismus reichenden Über-Ich) bis hin zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung (mit ihrer, sich doch gänzlich anders präsentierenden Pathologie). Fallbeispiele werden die Facetten und Störungsmuster illustrieren, auch werden gesellschaftliche Bezüge hergestellt (Wie begegnet uns „Narzisstisches“ im täglichen Leben?). Auf behandlungstechnische Schwierigkeiten wird ebenfalls eingegangen, wie auch auf die Besonderheiten beim weiblichen Narzissmus. Die Vorlesung ist schulenübergreifend konzipiert, d. h., auch nicht-psychodynamisch arbeitende Kolleginnen und Kollegen können von den Inhalten profitieren.
Wie entsteht das Paar und welche Dynamik bringen Kinder in die Paarbeziehung? Was ist, wenn alte Liebe „doch mal rostet“, und wie verändern sich Liebesbeziehungen durch die neuen Medien, kulturelle Einflüsse und ein verändertes Verständnis von sexueller Identität? Ist die Treue eine Utopie und Eifersucht ein
„Liebesbeweis“? Wie bringt man Bindung und Begehren in Liebesbeziehungen zusammen und kann man aus Trennungen etwas lernen für die spätere Liebe? In dieser Vorlesung werden Fragen sowohl aus therapeutischer Sicht als auch bzgl der dazu vorliegenden Forschung aufgegriffen, es geht aber auch um die dunkle Seite wie Rache in Liebesbeziehungen, sexualisierte Gewalt, pathologische Trauer und pathologische Liebe und nicht zuletzt um „Liebe“ beim therapeutischen Paar, d.h. Grenzverletzungen und Missbrauch in Therapien.
Seiffge-Krenke, I. (2026). Liebesbeziehungen: Entwicklung, Paardynamik, Therapie. Stuttgart: Klett-Cotta.
In der Vorlesung werden theoretische Grundlagen der Aufstellungsarbeit (Wieslocher Modell, Drexler 2026) und Beispiele aus der Praxis vorgestellt. Dies geschieht interaktiv:
• es gibt die Möglichkeit für Erfahrungsaustausch und Diskussion,
• Vorgehensweisen werden am Flipchart und mit Stellvertretern kurz demonstriert,
• den Teilnehmenden werden kleine Übungssequenzen angeboten.
Themen werden u. a. sein:
• Geschichte und Entwicklungen der Aufstellungsarbeit
• Szenische Verfahren und Besonderheiten von Systemaufstellungen
• Mehrgenerationenkonzepte und ihre Anwendung
• Vorgehensweisen im Einzel- und Gruppensetting
• Chancen, Risiken und Wirkungen
Für Kolleg*innen mit Vorerfahrung in Aufstellungsarbeit sei auf das Seminar „Gut aufgestellt?“ Ein Praxisseminar zur Arbeit mit szenischen und Aufstellungselementen“ hingewiesen.
Nach einer kurzen Einführung in die Entwicklungsbesonderheiten und das Spannungsfeld von Therapeuten zwischen den Kindern („nie erwachsen“) und deren Eltern (zu lange Unterstützung, aber auch „forever young“) geht es in der Vorlesung um Besonderheiten in der Behandlungstechnik bei jungen Erwachsenen. Dazu zählen der Umgang mit Zeit und Grenzen, die Aufrechterhaltung des Rahmens unter Bedingungen der Instabilität, unterschiedliche Interventionen bei Identitätskrise, Identitätsdiffusion oder Identitätskonflikt, die Arbeit an narzisstischen Anteilen, spezifische Abwehrmechanismen und der Umgang mit Wider-stand und Autonomieschuld. Die neuen Medien haben auch die therapeutische Beziehung verändert. Für Therapeuten ist die Balance zwischen Unterstützung, Begrenzung, Verzicht und Trauerarbeit nicht einfach zu leisten, insbesondere besteht die Gefahr, zum Helikopter- Therapeuten zu werden.
Seiffge-Krenke, I. (2023) Psychodynamische Psychotherapie mit jungen Erwachsenen. Besonderheiten der Entwicklungsphase „emerging adults“. Stuttgart: Kohlhammer.
In der Vorlesung wird diskutiert, dass Queer-Sein (zu LGBTIAQ+ Community zu gehören) in einem Spannungsverhältnis zur Mehrheitsbevölkerung steht. Führt das „Anders-Sein“ nicht zwangsläufig zu einer anderen Weltsicht und Lebensweise? Und kann es das Ziel sein, dass queere Personen sich so weitgehend der Mehrheitsbevölkerung anpassen, dass sie darin aufgehen und gleichsam unsichtbar werden? Welches sind die Vor- und die Nachteile einer Anpassung? Diese und weitere ähnliche Fragen tauchen regelhaft in der Therapie und Beratung queerer Personen auf. Sie werden in der Vorlesung am Beispiel verschiedener queerer Gruppen und unterschiedlicher Lebenssituationen diskutiert.
Krell, C., Oldemeier, K, (2017): „Coming out – und dann?!“ Barbara Budrich.
U. Rauchfleisch (2021): Sexuelle Orientierungen und Geschlechtsentwicklungen im Kindes- und Jugendalter. Kohlhammer.
U. Rauchfleisch (2024): Transidentität – Transgender. Transitionsprozesse begleiten und gestalten. Vandenhoeck & Ruprecht.
Timmermanns, S., Graf, N., Merz, S., Stöver, H. (2022): „Wie geht’s euch?“. Psychosoziale Gesundheit und Wohlbefinden von LSBTIQ*. Beltz Juventa.
Sexuelle Funktionsstörungen werden in der psychotherapeutischen Praxis oftmals übersehen, weil sie weder routinemäßig erfragt noch offen thematisiert werden – wie u. a. die Studie von Hoyer et al. (2021) eindrücklich zeigt. Die fünfteilige Vorlesungsreihe bietet einen systematischen Überblick über Symptome, Diagnostik und Behandlung sexueller Funktionsstörungen. Dabei werden körperorientierte und embodimentbasierte Zugänge in den Vordergrund gestellt, insbesondere der Ansatz nach dem Sexocorporel, der Sexualität als erlernbare Körperkompetenz begreift. Diese Perspektive erlaubt es, sexuelle Störungen nicht ausschließlich als Defizite oder pathologische Phänomene, sondern als Ausdruck eingeschränkter Regulations- und Wahrnehmungsfähigkeit zu verstehen. Dabei werden sowohl die Neuregelungen des ICD-11 gegenüber der ICD-10 beleuchtet als auch praxisorientierte Methoden der Exploration („Wie frag und sag ich´s denn?“) und Intervention anhand von Fallvignietten vorgestellt.
Ein eigenes Modul widmet sich der Pornografienutzungsstörung (PNS) – einer häufig tabuisierten und in der Diagnostik bislang wenig berücksichtigten Problematik, die im Zuge der Digitalisierung und intensivierten Mediennutzung an Bedeutung gewinnt. Obwohl nahezu jeder Mensch im digitalen Zeitalter Berührungspunkte mit Pornografie hat, sprechen Betroffene kaum darüber. Ziel der Vorlesungsreihe ist es, Therapeut*innen für die Vielfalt sexueller Themen zu sensibilisieren und konkrete Wege aufzuzeigen, wie auch sensible Anliegen diagnostiziert und behandelt werden können.
Es handelt sich um eine Vorlesung mit Praxisbezug, die einen Überblick anbietet und verschiedene Behandlungsansätze vorstellt, ohne sie an dieser Stelle vertiefen zu können.
Hartmann, U., Ley, M. Sexualtherapie: Ein neuer Weg in Theorie und Praxis. Springer 2017 Embodimentorienterte Sexualtherapie: Grundlagen und Anwendung des Sexocorporel. Schattauer 2020
Hermann-Uhlig, E. (Hrsg.): Psychotherapie und Sexualität: Interdisziplinäre und methodenübergreifende Position. Facultas 2020
Die Diagnose und das Verständnis von Persönlichkeitsstörungen befinden sich im Umbruch. Angestoßen durch die anhaltende Kritik an der rein kategorialen Klassifikation psychischer Störungen haben sowohl die ICD-11 als auch – in Ansätzen – das DSM-5 einen grundlegenden Perspektivwechsel vollzogen: Im Mittelpunkt steht nun ein dimensionales Verständnis, das den gemeinsamen Kern aller Persönlichkeitsstörungen ebenso berücksichtigt wie ihre individuellen Ausprägungen.
In dieser Vorlesungsreihe werden die ideengeschichtlichen Hintergründe dieses Paradigmenwechsels nachgezeichnet, die neuen diagnostischen Konzepte erläutert und anhand klinischer Beispiele praxisnah veranschaulicht. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Kriterium der Persönlichkeitsfunktionsstörung als zentralem diagnostischen Merkmal in der ICD-11. Ein weiterer Fokus gilt den maladaptiven Persönlichkeitsmerkmalen, die die phänomenologische Vielfalt von Persönlichkeitsstörungen auf dimensionaler Ebene abbilden. Diese Merkmale orientieren sich stärker als bisher an empirisch fundierten Modellen der Persönlichkeitspsychologie und stellen damit eine Brücke zwischen klinischer Praxis und Persönlichkeitsforschung her. Neben der diagnostischen Anwendung werden in der Vorlesung auch die therapeutischen Implikationen des dimensionalen Ansatzes diskutiert – insbesondere seine Bedeutung für das psychodynamische Verständnis und die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen.
Psychoanalytikerin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in eigener Praxis, Dozentin, Supervisorin und Lehrtherapeutin
E-Mail: mail@praxis-becker.info
Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin und Innere Medizin, Psychoanalyse (DGPT), zert. EMDR-Therapeutin (EMDRIA), Spez. Psychotraumatologie (DeGPT), Supervision (DGSv), Vorsitzende des Ethikvereins, niedergelassen in eigener Praxis in Essen
E-Mail: schleu.a@gmail.com
Psychologischer Psychotherapeut (AP/TP), Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Psychologischen Hochschule Berlin
E-Mail: t.storck@phb.de
Psychoanalytikerin, tätig in eigener Praxis
E-Mail: Marie-LuiseAlthoff@web.de
Psychologischer Psychotherapeut, Verhaltenstherapeut und Psychoanalytiker, Mitgliedschaften: DGPT, DGAP, DVT, Honorarprofessor für Psychoanalyse und Psychotherapie an der HfBK Dresden
E-Mail: ralft.vogel@web.de
Psychoanalytiker und Gruppentherapeut in eigener Praxis in Berlin-Charlottenburg; Dozent, Supervisor, Lehranalytiker (DGPT, DGIP) an verschiedenen Instituten und Universitäten
https://praxis-abel.de, E-Mail: info@praxis-abel.de
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, VT, Selbstständig, ehrenamtlich als Therapeutin
E-Mail: kontakt.ndippel@gmail.com
Psychologischer Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Universitätsklinikum Jena, Direktor des Instituts für Psychosoziale Medizin, Psychotherapie und Psychoonkologie, Stoystr. 3, 07740 Jena
E-Mail:bernhard.strauss@med.uni-jena.de
Website: www.mpsy.uniklinikum-jena.de/Institut.html
Facharzt für Allgemeinmedizin, Psychotherapeut und Psychoanalytiker in eigener Praxis. Dozent, Lehranalytiker und Supervisor an verschiedenen psychotherapeutischen Ausbildungsinstituten. Weiterbildungsermächtigter Arzt der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz für die Bereichsbezeichnungen „Psychotherapie“ und „Psychoanalyse“.
Website: www.cherdron.com
E-Mail: praxis@cherdron.com
Psychoanalytikerin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der OPD-E und der OPD-KJ seit Jahren aktiv sowie als Supervisorin in der Ausbildung von Kinder-, Jugendlichen- und Erwachsenentherapeuten tätig.
Psychotherapeutin in eigener Praxis. Leiterin des Wieslocher Instituts für systemische Lösungen (WISL). Lehrtherapeutin und Supervisorin für Verhaltenstherapie, Systemische Therapie und Beratung (SG) und für Systemaufstellungen (DGfS). Fort- und Weiterbildungen in hypnosystemischen, humanistischen und tiefenpsychologischen Verfahren.
Psychoanalytiker, Private Praxis: Delsbergerallee 65, CH-4053 Basel
Mitgliedschaften: DPG, DGPT, FSP
E-Mail: info@udorauchfleisch.ch
Website: www.udorauchfleisch.ch
Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis und Lehrpraxis für Verhaltenstherapie, Hypnotherapeutin (MEG), Sexocorporel in Ausbildung, Supervisorin für VT und Plananalyse nach dem Berner Modell, Selbsterfahrungsleiterin
E-Mail: info@praxis-jahn.com
Website: www.paar-kur.de
wissenschaftlicher und klinisch tätiger Mitarbeiter der Universitätsmedizin Rostock, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
E-Mail: philipp.wuelfing@med.uni-rostock.de
